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Cambodian Stills

2009 reiste ich zum ersten Mal nach Kambodscha, um für mein Dokudrama Fire, Fire, Desire zu recherchieren. Von 2010 bis 2016 drehte ich dann jedes Jahr einen Monat in Südostasien. Aus Platzgründen hatte ich nur eine Filmkamera dabei. Filmen und Fotografieren verträgt sich schlecht; entweder denke ich cinematografisch, indem ich immer das nächste Bild antizipiere, die Bewegung miteinbeziehend, oder aber ich denke in fotografischen Standbildern. Es ist mir nie gelungen, zwischen der Film- und der Fotokamera abzuwechseln. Erst in den Jahren 2017 und 2018, als ich nicht mehr am Film arbeitete, sondern einen Kurzwellensender aufbaute, nahm ich eine Fotokamera mit.

Kambodscha spielte bereits in den 1970er Jahren in meinem Leben eine wichtige Rolle, hauptsächlich vermittelt über die Tageszeitungen, in denen über die Kriege in Vietnam und Kambodscha fast täglich berichtet wurde. Später verzauberten mich die Romane von Graham Greene und Marguerite Duras.

2009 fand ich in seltenen Momenten dieses in der Literatur so schön beschriebene Indochine wieder. Manchmal, wenn ich in der Regenzeit spät nachts in Phnom Penh nach Hause ging, fühlte ich mich in die Kolonialzeit versetzt. Ich beobachtete einen alten Rikschafahrer, der mit einem nassen Tuch versuchte, seinen Sattel zu trocknen und auf Französisch vor sich hinfluchte, oder ich sah die Reflektion eines alten Hotelschildes auf dem nassen Asphalt. Der Geruch von Rauch und Jasmin liess mich träumen. Wenn dann die Klänge des kambodschanischen Bambus-Xylophons über den Mekong wehten, war die Illusion perfekt.

Dieses Kambodscha wollte ich 2019 zusammen mit meinem Produzenten Christopher Jarvis mit der Fotokamera einfangen. Ausser vielleicht in den schwimmenden Dörfern auf dem Tonle-Sap-See ist mir dies jedoch nicht mehr gelungen. Zu extrem verändert sich Kambodscha momentan. In gewissen Regionen machen in den letzten Jahren hinzugezogene Chinesen bereits ein Drittel der Bevölkerung aus, chinesische Baustellen sind nicht nur in den Metropolen allgegenwärtig, sondern auch auf dem Land. Die einst längste Bambusbrücke der Welt wurde zwischenzeitlich durch eine chinesische Betonbrücke ersetzt und auf dem legendären Mount Bokor entsteht eine chinesische Casinostadt. Das einstige Wahrzeichen Phnom Penhs, der Boeung-Kak-See, wurde trockengelegt, nachdem die rund 10’000 Bewohner, die an den Ufern des Sees gelebt hatten, verjagt worden waren, um Platz für eine Hotelanlage zu schaffen. Die Implikationen dieses neuen Kolonialismus sind enorm und aus meiner Sicht und derjenigen der meisten Kambodschaner werden sie die Bevölkerung weder aus der Armut herausführen noch sonst wie zu einer positiven Entwicklung Kambodschas beitragen.

Meine Bildreportagen sind nicht objektiv. Ich trauere einem vergangenen Kambodscha nach und versuche, das mit der Kamera möglichst poetisch zu dokumentieren.


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